Eine Geschichte vom Mauersegler-Vater aus Homberg

 

Der erste Jungsegler ist am Montag dem 01. August zwischen 9 und 10 Uhr ausgeflogen.
Ab diesem Tag hat abends kein Altsegler mehr in der Nistkammer bei den beiden Jungen übernachtet. Vermutlich war es die letzte Fütterung der beiden letzten Jungsegler im Laufe diesen Tages. Der zweite Jungsegler flog am Dienstag um 9 Uhr aus. Der dritte Jungsegler - Nesthäkchen - hängt einsam in der Nistkammer und das zwei Tage lang ohne Fütterung. Er kriecht zwar ab und zu vor das Flugloch und schaut aus sicherem Abstand raus, steckt aber den Kopf nicht weit durchs Flugloch (wie das die meisten Jungsegler in den letzten Tagen machen). Er ist ziemlich untätig, ich konnte ihn nie bei Flatterübungen / Liegestützen beobachten. Er machte keine Anstalten endlich auszufliegen, wie das andere Jungsegler nach 2 Tagen Verlassenheit tun. Der Hunger nach der Abspeckung trieb sie dann raus.

Jetzt bekomm ich aber langsam "kalte Füße" wegen seiner Untätigkeit und Ausbleiben der abgezogenen Altsegler. Wir haben den Zaghaften vorsichtig aus der einsehbaren Kammer rausgeholt und dann nach argem Gezappel zweimal auf einer Digital-Küchenwaage gewogen. Anzeige 48 g - also ein günstiges Gewicht für den Start. Und der Kandidat kann also doch kräftige Flatterübungen machen. Er sind keine Federspulen an seinen Flügelfedern zu sehen, er ist also startfähig.

Dann der Startversuch bei Sonnenschein (bevor abends angesagtes Regenwetter kommt)
um 13 Uhr von einem großen weitflächig gemähten Hang am Rand eines Sportplatzes.
Rundherum sind keine Greifvögel zu sehen; in der Ferne einige Schwalben über den Flussuferbäumen. Ich habe auf dieser Erhöhung von ca. 5 m stehend mit erhobenem Arm die Hand mit dem Jungsegler geöffnet und schon schoss der Kandidat ab. Er sackte zuerst mal 1 Meter durch, gewann dann aber schnell an Höhe über dem Sportplatz, zog ca. 50 m hoch, kreiste einmal zur Orientierung, immer noch permanent mit den Flügeln schlagend. Meine Frau und ich winkten noch einmal zum Abschied bei seinem Kreisen über uns. Endlich ging er auch kurz in den Gleitflug über und verschwand schließlich aus unseren Augen über den Flussuferbäumen Richtung Feld und Wiesen mit Schwalben am Himmel.

Na bitte, auch das zaghafte Nesthäkchen hat einen gekonnten Start beim Jungfernflug hingelegt
so als hätte er nie etwas anderes getan. Wir waren begeistert und enorm erleichtert. Das war das Nesthäkchen aus dem mehrmals ins Nest zurückgeschobenen Ei. Obendrein hat er mal als nackter ca. eine1 Woche alter Nestling über einen Tag bei kühlem Wetter ca. 5 cm außerhalb der flachen Nestmulde gesessen und ist vermutlich währenddessen nicht gefüttert worden. Ich hatte meine Last ihn wieder vorsichtig ins Nest zu hiefen. Er krallte sich mit seinen winzigen Füßen und Seglerkrällchen an der Fußbodenmatte fest. Er war arg ins Hintertreffen gegenüber seinen beiden deutlich größeren Geschwistern gekommen. Durch seinen Lebenswillen hat er es dennoch geschafft; ist gut von seinen Eltern gefüttert worden und hat zügig aufgeholt.
Ende gut, alles gut. Leider habe ich vor lauter "Seglerstress" versäumt ein Foto vom Start zu machen.